{"id":5517,"date":"2020-01-26T19:00:35","date_gmt":"2020-01-26T19:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=5517"},"modified":"2020-01-26T19:00:35","modified_gmt":"2020-01-26T19:00:35","slug":"palaestina-und-israel-unheiliges-land-retrospektive-auf-einen-eappi-vortrag-in-graz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=5517","title":{"rendered":"Pal\u00e4stina und Israel-(un)heiliges Land?  Retrospektive auf einen EAPPI Vortrag in Graz"},"content":{"rendered":"<p>Christine H\u00f6dl hat am 22.1.2020 im Weltladen Graz auf Einladung von PAX CHRISTI Steiermark \u00fcber ihre Eindr\u00fccke als Freiwillige bei EAPPI <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>( das \u00f6kumenische Begleitprogramm in Pal\u00e4stina und Israel) erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Offenherzig und mit einfachen Worten schildert sie ihren Aufenthalt im besetzten Pal\u00e4stina, erz\u00e4hlt \u00fcber die prek\u00e4re Lage der B\u00e4uerInnen zwischen Mauer, Checkpoints und Siedlern, \u00fcber die\u00a0 Hirtenzelte, die obwohl sie auf deren eigenem Grund und Boden stehen, immer wieder abgerissen werden und \u00fcber den Widerstand der Menschen dagegen. Sumud, sagt sie, Sumud, der arabische Ausdruck f\u00fcr Durchhalteverm\u00f6gen, erm\u00f6glicht es diesen Familien seit mehr als 50 Jahren Besatzung trotz aller Schikanen durch Milit\u00e4r und Beh\u00f6rden, auf ihrem Boden zu bleiben. Und die Zelte immer wieder aufzubauen.<!--more--><\/p>\n<p>Christine H\u00f6dl hat in ihren mehrmaligen Aufenthalten viel gesehen und geh\u00f6rt. Man sp\u00fcrt in ihren Vortr\u00e4gen das Mitempfinden mit dem Leid der pal\u00e4stinensischen B\u00e4uerInnen und gleichzeitig die Bewunderung f\u00fcr ihre Standhaftigkeit. Denn die Verteidigung ihres Bodens bezahlen diese Menschen mit einem Leben in \u00e4u\u00dferster Prekarit\u00e4t und bitterer Armut.<\/p>\n<p>Ohne Christines Einsatz und den anderer Freiwilliger von EAPPI w\u00fcrde kaum jemand hier in Europa \u00fcber ihr Schicksal erfahren. Christines und die Motivation von EAPPI geht aber \u00fcber Informationsvermittlung hinaus: Sie m\u00f6chten die europ\u00e4ische Zivilgesellschaft aufr\u00fctteln und sie bewegen, auf Verantwortungstr\u00e4gerInnen in der Politik Druck auszu\u00fcben. Israelische Regierungen sollen bewegt werden, das Internationale V\u00f6lkerrecht und damit die Rechte der Pal\u00e4stinenserInnen anzuerkennen.<\/p>\n<p>Es ist unerl\u00e4sslich, an das Verbrechen des Holocaust zu erinnern, den j\u00fcdischen und allen Opfern des Naziregimes zu gedenken, um \u2013 wie auch der Bundespr\u00e4sident dieser Tage in Yad Vashem erw\u00e4hnte \u2013 Zeichen des Wiedererwachens einer b\u00f6sen Zeit rechtzeitig zu erkennen.<\/p>\n<p>Doch warum bleibt bei allem wichtigem Gedenken eine der Folgen dieser Epoche, das Schicksal der Pal\u00e4stinenserInnen, konsequent verschwiegen? Durch die Verfolgung und Vertreibung der J\u00fcdInnen Europas kam es zu ihrer Auswanderung in gro\u00dfer Zahl nach Pal\u00e4stina und in weiterer Folge zur Gr\u00fcndung des Staates Israel. Die nationalistisch ausgerichtete zionistische Staatsideologie wollte einen ethnisch mehrheitlich j\u00fcdischen Staat. Das war nur m\u00f6glich \u00fcber die Vertreibung von mehr als 750.000 Pal\u00e4stinenserInnen. Die Nakba, zu Deutsch die gro\u00dfe Katastrophe, zwang diese Menschen in riesige Fl\u00fcchtlingslager und ins Exil. Die UNO hatte in der Resolution 194 im Jahr 1948 den vertriebenen Pal\u00e4stinenserInnen und ihren Nachkommen (5,5 Millionen Fl\u00fcchtlinge, laut UNWRA 2019) das Recht auf R\u00fcckkehr zugesichert.<\/p>\n<p>Bis heute bleibt diese UN-Resolution sowie zahlreiche weitere, die Israel zum Ende der Besetzung und Vertreibung verpflichten, unerf\u00fcllt. Es gibt keinerlei Sanktionen gegen\u00fcber Israel, auch dann nicht, wenn extreme Menschenrechtsverletzungen und klare Br\u00fcche des Internationalen V\u00f6lkerrechts vorliegen.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union bleibt unt\u00e4tig, obwohl es ihre erste Aufgabe w\u00e4re f\u00fcr einen gerechten Frieden in der Region zu sorgen. Als sp\u00e4te Antwort auf die nationalsozialistische Vernichtungsmaschinerie, in daraus resultierender Verpflichtung f\u00fcr Menschenrechte und Demokratie.<\/p>\n<p>Doch die politisch Verantwortlichen der EU folgen dem sich verst\u00e4rkenden rechten Ethnonationalismus israelischer Regierungen, die Besatzung und Vertreibung immer weiter verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>Christine H\u00f6dl hat in ihrem Vortrag die breiten politisch-historischen Dimensionen des Konflikts nicht er\u00f6rtert. In einer Zeittafel gab sie einen kurzen \u00dcberblick \u00fcber die wichtigsten Ereignisse. Ihr ging es darum, das Leben der Menschen unter Besatzung f\u00fcr Europ\u00e4erInnen nachvollziehbar zu machen.<\/p>\n<p>Ein Teilnehmer aus dem Publikum verweigerte sich jeder Empathie mit den Pal\u00e4stinenserInnen aus Christine H\u00f6dls Tatsachenberichten. Er kritisierte die Zeittafel mit dem Verweis, dass Israel 1967 von \u00fcberm\u00e4chtigen arabischen Armeen angegriffen worden sei. Wahrscheinlich wollte er mit diesem bekannten Narrativ zu verstehen geben, dass Israel wohl gezwungen gewesen sei, diese Art von Staat aufzubauen, um sich gegen das feindliche arabische Umfeld zu wehren. Da es diesem Mann offensichtlich nur darum ging, seine Meinung in den Raum zu stellen, weil er sich jeder weiteren Diskussion verweigerte, sei es hier gesagt:<\/p>\n<p>Der israelische Premierminister Menachem Begin erkl\u00e4rte am 8. August 1982 vor dem National Defense College unmissverst\u00e4ndlich, der Krieg wurde ohne realer Bedrohung begonnen: \u201eIm Juni 1967 hatten wir wieder eine Alternative. Die Konzentration der \u00e4gyptischen Armee im Sinai beweist nicht, dass Nasser uns wirklich angreifen wollte. Wir m\u00fcssen ehrlich zu uns sein. Wir griffen sie an \u2026 Die Regierung der nationalen Einheit hat einstimmig beschlossen: Wir werden die Initiative ergreifen und den Feind angreifen, zur\u00fcckdr\u00e4ngen und damit die Sicherheit von Israel und die Zukunft der Nation gew\u00e4hrleisten. Wir taten dies nicht, weil wir keine Alternative gehabt h\u00e4tten. (!) Wir h\u00e4tten weiter abwarten k\u00f6nnen, wir h\u00e4tten die Armee nach Hause schicken k\u00f6nnen. Wer wei\u00df, ob ein Angriff gegen uns erfolgt w\u00e4re? Es gibt keinen Beweis daf\u00fcr. Es gibt mehrere Argumente f\u00fcr das Gegenteil.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Der israelische Historiker Illan Pappe hat in seinem Buch 10 Mythen \u00fcber Israel<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> das Narrativ des israelischen Davids gegen\u00fcber dem arabischen Goliath als Mythos entlarvt. Die historischen Fakten sprechen eine klare Sprache und die milit\u00e4rischen f\u00fcr sich: Israel besetzte im 6-Tage-Krieg die Westbank, Golanh\u00f6hen, Gazastreifen, Ostjerusalem und den Sinai. Rund 300.000 Pal\u00e4stinenserInnen erlitten, oft schon zum zweiten Mal, das Fl\u00fcchtingsschicksal.<\/p>\n<p>Leider bezichtigte dieser Teilnehmer, der von sich behauptete f\u00fcr die j\u00fcdische Gemeinde anwesend zu sein, in aggressivem Ton die Vortragende der Wiedergabe von Unwahrheiten und rief ihr drohend zu: \u201eSie sind schon bekannt!\u201c Dar\u00fcber hinaus beleidigte er\u00a0 VeranstalterInnen und TeilnehmerInnen als Antisemiten.<\/p>\n<p>Schade, dass der Vortrag von Frau H\u00f6dl bei diesem Besucher keinerlei Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Seite der Pal\u00e4stinenserInnen hervorrufen konnte. Das zeigt aber auch, wie kontraproduktiv Ideologie wirken kann und wie konsequent solche \u201eFreunde\u201c Israels jeden auch noch so kleinen Br\u00fcckenbau in Richtung Verst\u00e4ndigung niederrei\u00dfen wollen.<\/p>\n<p>Die rechte israelische Regierung w\u00fcnscht sich, dass die Worte \u201ePal\u00e4stina\u201c und \u201ePal\u00e4stinenserInnen\u201c aus Europa verschwinden. Sie ist wohl der Meinung, dass wor\u00fcber man nicht spreche, auch nicht existiere. Das entspricht nach wie vor dem Traum des praktizierenden rechten Zionismus.<\/p>\n<p>Die Berichte von Christine H\u00f6dl und anderer R\u00fcckkehrerInnen von den EAPPI-Friedenseins\u00e4tzen sind wichtige Beitr\u00e4ge um in Europa die verschleiernde Wirkung der israelischen Propaganda (bekannt unter Begriffen wie &#8222;Hasbara&#8220;, &#8222;Sayanim&#8220;, &#8222;Rebrand Israel&#8220;) zu durchbrechen und ihr ein wirklichkeitsgetreues Bild der Schicksale von Pal\u00e4stinenserInnen unter der dr\u00fcckenden Besatzung Israels entgegenzusetzen.<\/p>\n<p>Die pal\u00e4stinensischen B\u00e4uerInnen werden fortfahren, ihr Land zu bebauen.<\/p>\n<p>Christine H\u00f6dl wird weiterhin ihre Stimme nach Europa tragen.<\/p>\n<p>Danke Christine!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>https:\/\/eappi-austria.at\/<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>http:\/\/linkswende.org\/sechstagekrieg-1967-der-mythos-von-der-permanenten-bedrohung-israels\/<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>https:\/\/www.versobooks.com\/blogs\/3251-the-june-1967-war-was-a-war-of-no-choice<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christine H\u00f6dl hat am 22.1.2020 im Weltladen Graz auf Einladung von PAX CHRISTI Steiermark \u00fcber ihre Eindr\u00fccke als Freiwillige bei EAPPI [1]( das \u00f6kumenische Begleitprogramm in Pal\u00e4stina und Israel) erz\u00e4hlt. 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