{"id":5997,"date":"2020-07-29T18:19:36","date_gmt":"2020-07-29T18:19:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=5997"},"modified":"2020-07-29T18:22:08","modified_gmt":"2020-07-29T18:22:08","slug":"keine-frage-der-moral","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=5997","title":{"rendered":"Keine Frage der Moral"},"content":{"rendered":"<pre><a href=\"http:\/\/www.friedensplattform.at\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/index.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5999 alignleft\" src=\"http:\/\/www.friedensplattform.at\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/index.jpg\" alt=\"\" width=\"275\" height=\"183\" \/><\/a><\/pre>\n<p><span class=\"teaser\">Es geht nicht um Gesinnung, sondern ums Gesch\u00e4ftsmodell: Um Rassismus zu bek\u00e4mpfen, muss man die Macht der Konzerne bek\u00e4mpfen. <\/span><\/p>\n<p>Wenn Blackstone und alle anderen US-Konzerne aufh\u00f6ren sollen, Strategien zu verfolgen, die die ethnische Ungleichheit verst\u00e4rken, dann muss man sie zwingen, damit aufzuh\u00f6ren. Mit gutem Zureden und moralischen Appellen wird man ihr Verhalten nicht \u00e4ndern.\u00a0\u00a0\u00a0 Von <a title=\"Autorenseite von Paul Heideman\" href=\"https:\/\/www.ipg-journal.de\/ipg\/autorinnen-und-autoren\/autor\/ipg-author\/detail\/Author\/paul-heideman\/\">Paul Heideman<\/a> | <time datetime=\"2020-07-28\"> 28.07.2020<\/time> IPG<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ipg-journal.de\/regionen\/nordamerika\/artikel\/detail\/keine-frage-der-moral-4541\/?utm_campaign=de_40_20200729&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter\">https:\/\/www.ipg-journal.de\/regionen\/nordamerika\/artikel\/detail\/keine-frage-der-moral-4541\/?utm_campaign=de_40_20200729&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter<\/a><\/p>\n<div class=\"row\">\n<div class=\"col-sm-9\">\n<div class=\"articleBody\">\n<p>Seit Beginn der Aufst\u00e4nde gegen Polizeibrutalit\u00e4t und ethnische Ungerechtigkeiten Ende Mai \u00fcberschlagen sich die Konzerne, um Stein und Bein zu schw\u00f6ren, dass sie gegen Rassismus seien. Der internationale Wirtschaftspr\u00fcfungsriese KPMG ver\u00f6ffentlichte den <a href=\"https:\/\/info.kpmg.us\/news-perspectives\/people-culture\/rudy-favard-perspectives-on-juneteenth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Blogeintrag<\/a> eines Seniorpartners, in dem dieser erkl\u00e4rt, warum er Juneteenth feiert, den Gedenktag zur Erinnerung an die Befreiung der Sklaven. Die Firma Gushers, ein Fruchtsnackhersteller im Besitz von General Mills, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/gushers\/status\/1269110304086114304?ref_src=twsrc%5etfw|twcamp%5etweetembed|twterm%5e1269110304086114304|twgr%5e&amp;ref_url=https%3A%2F%2Fwww.nytimes.com%2F2020%2F06%2F11%2Fdining%2Ffood-brands-black-lives-matter-social-media.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">twitterte<\/a>: \u201eGushers w\u00e4re nicht Gushers ohne die Schwarze Gemeinschaft und eure Stimmen.\u201c Selbst der <a href=\"https:\/\/www.jacobinmag.com\/2019\/08\/business-roundtable-corporate-america-capitalism-ceo\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Business Roundtable<\/a> wollte nicht au\u00dfen vor bleiben und <a href=\"https:\/\/www.businessroundtable.org\/business-roundtable-ceos-stand-against-racial-injustice\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">erkl\u00e4rte sich<\/a> \u201etief besorgt \u00fcber die rassistische Voreingenommenheit, die nach wie vor ein \u00dcbel in unserer Gesellschaft ist\u201c.<\/p>\n<p>Sehr zum Bedauern der hinter diesen Aktionen steckenden Marketingberater kaufen immer weniger Menschen den Konzernen diese Aussagen ab. Wenn die Unternehmen Rassismus wirklich ernst n\u00e4hmen,<a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/outlook\/2020\/06\/16\/corporations-say-they-support-black-lives-matter-their-employees-doubt-them\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> argumentierte k\u00fcrzlich ein Autor in der <\/a><a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/outlook\/2020\/06\/16\/corporations-say-they-support-black-lives-matter-their-employees-doubt-them\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Washington Post<\/em><\/a>, w\u00fcrden sie andere Dinge tun: \u201estrategische Ma\u00dfnahmen ergreifen und mehr schwarze Fachkr\u00e4fte einstellen\u201c, \u201eerheblich mehr Gelder in die Netzwerkgruppen schwarzer Angestellter investieren\u201c, und \u201edie Schwarzen um R\u00fcckmeldung und Anregungen bitten, wie der Betrieb weniger rassistisch gestaltet werden k\u00f6nnte\u201c.<\/p>\n<p>Diese Art von Skepsis ist absolut gerechtfertigt. Wir sollten die Aussagen der Konzerne oder ihre Tweets zu anti-rassistischen Ma\u00dfnahmen nicht falsch verstehen. Gleichwohl ist das Bemerkenswerteste an der Aussage der Washington Post \u2013 die typisch f\u00fcr den Tenor der aus linksliberalen Kreisen kommenden Kritik ist \u2013, dass sie den Anti-Rassismus von Konzernen allein als eine Frage des Willens betrachtet. Konzerne wollen anti-rassistisch sein oder auch nicht; und wenn nicht, ist das das moralische Versagen der Unternehmensf\u00fchrung.<\/p>\n<p>Aber Unternehmen sind von dem Anspruch getrieben, ihre Profite zu maximieren. Es ist dieser Antrieb \u2013 nicht das Fehlen anti-rassistischer \u00dcberzeugungen \u2013, der letztlich ethnische Hierarchien immer weiter verfestigt (und h\u00e4ufig vertieft). Vom Umweltrassismus bis hin zur \u201eraffgierigen Vereinnahmung\u201c des Wohnungsmarktes ist es der Daseinsgrund der Konzerne an sich, der sie dazu bringt, die Lebensperspektive der Schwarzen in der US-Bev\u00f6lkerung zu schm\u00e4lern. Um gegen Rassismus vorzugehen, muss man gegen die Macht der Konzerne vorgehen.<\/p>\n<blockquote><p>Der Eintritt von Beteiligungsfonds in den Immobilienmarkt ist einer der Gr\u00fcnde, warum die Hauseigentumsrate in den USA noch immer nicht ann\u00e4hernd an die H\u00f6chstraten vor der Krise herankommt; und bei der Schwarzen Bev\u00f6lkerung liegt diese Rate bei unter 45\u00a0Prozent.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die j\u00fcngste Vergangenheit einer einzelnen Firma \u2013 der Blackstone Group \u2013 ist ein anschauliches Beispiel f\u00fcr diese Dynamik. Blackstone ist eine riesige Investmentgesellschaft, die einige der weltweit gr\u00f6\u00dften Kapitalbeteiligungsfonds unter ihrer Kontrolle hat. Gleich nach dem Tod von George Floyd ver\u00f6ffentlichte Blackstone eine <a href=\"https:\/\/www.blackstone.com\/insights\/article\/steve-schwarzman-and-jon-grays-statement-on-racial-injustices\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Erkl\u00e4rung<\/a>, in der das Unternehmen seine Sympathie mit der Bewegung f\u00fcr ethnische Gerechtigkeit zum Ausdruck brachte und John Lewis\u2018 Worte \u00fcber den \u201eendlosen Kampf\u201c f\u00fcr Gleichheit zitierte. Die Handlungsweise des Unternehmens im letzten Jahrzehnt erz\u00e4hlt eine ganz andere Geschichte.<\/p>\n<p>In den Jahren vor der Immobilienkrise mit den zahlreichen Zwangsversteigerungen hatten Hypothekengesellschaften vor allem die Bev\u00f6lkerungsschicht der Schwarzen als Zielgruppe f\u00fcr Subprime-Kredite anvisiert. Als die Immobilienblase platzte, hatte das die <a href=\"https:\/\/jacobinmag.com\/2017\/12\/obama-foreclosure-crisis-wealth-inequality\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gr\u00f6\u00dfte Zerst\u00f6rung von Verm\u00f6gen schwarzer Haushalte<\/a> in der US-Geschichte zur Folge. Die mit Millionen von leerstehenden H\u00e4usern konfrontierte Obama-Regierung wandte sich an amerikanische Konzerne, um eine L\u00f6sung zu finden. Im Jahr 2010 <a href=\"https:\/\/newrepublic.com\/article\/112395\/wall-street-hedge-funds-buy-rental-properties\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">legte sie ein Programm auf<\/a>, das es den Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac erlaubte, die zwangsversteigerten H\u00e4user reihenweise an Investitionsgesellschaften zu verkaufen, die daraus Mietobjekte machten.<\/p>\n<p>Die Kapitalbeteiligungsfonds von Blackstone geh\u00f6rten zu den gro\u00dfen Nutznie\u00dfern dieses Programms. Mit Investitionen von <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2020\/03\/04\/magazine\/wall-street-landlords.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00fcber 60 Milliarden US-Dollar<\/a> in Mietm\u00e4rkte verwandelte der Konzern Hunderttausende von Einfamilienh\u00e4usern in Mieteinheiten. W\u00e4hrend Schwarze Familien in Rekordzahlen ihre H\u00e4user verloren, war Blackstone bereit, sich die fr\u00fcheren Eigenheime von Schwarzen Familien, mit denen diese etwas Verm\u00f6gen aufbauen wollten, unter den Nagel zu rei\u00dfen und in eine weitere Quelle passiven Einkommens f\u00fcr ihre Anleger zu konvertieren.<\/p>\n<p>Der Eintritt von Beteiligungsfonds in den Immobilienmarkt ist einer der Gr\u00fcnde, warum die Hauseigentumsrate in den USA noch immer nicht ann\u00e4hernd an die H\u00f6chstraten vor der Krise herankommt; und bei der Schwarzen Bev\u00f6lkerung liegt diese Rate bei unter 45\u00a0Prozent.<\/p>\n<blockquote><p>Weil die Zwangsversteigerungskrise die Schwarzen Wohnviertel unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig h\u00e4rter traf, konzentrieren sich die H\u00e4user, die jetzt von den Kapitalbeteiligungsgesellschaften vermietet werden, in genau diesen Gegenden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Weil die Zwangsversteigerungskrise die Schwarzen Wohnviertel unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig h\u00e4rter traf, konzentrieren sich die H\u00e4user, die jetzt von den Kapitalbeteiligungsgesellschaften vermietet werden, in genau diesen Gegenden. In einigen St\u00e4dten (h\u00e4ufig in St\u00e4dten mit einem hohen Schwarzen Bev\u00f6lkerungsanteil wie Charlotte oder Atlanta) erreicht der Anteil der Einfamilienh\u00e4user im Besitz von institutionellen Anlegern 10\u00a0Prozent des Gesamtbestandes. Aus <a href=\"https:\/\/dspace.mit.edu\/handle\/1721.1\/111349\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehreren Studien<\/a> ging hervor: Je mehr Immobilien in einem Viertel im Besitz der institutionellen Anleger sind, desto h\u00f6her ist der Anteil der in diesem Viertel lebenden Schwarzen.<\/p>\n<p>Die neuen Vermieter versprachen, dass es zu ihren Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeiten geh\u00f6re, den Bed\u00fcrfnissen der Mieter mit gr\u00f6\u00dfter Effizienz entgegenzukommen. Kaputte Sanit\u00e4rarmaturen w\u00fcrden endlich repariert und schimmelige Decken ersetzt. Aber all die angepriesenen Hausverwalterkompetenzen des privaten Beteiligungskapitals richteten sich ausschlie\u00dflich auf ein Ziel: aus den Immobilien so viel Geld herauszupressen wie m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Bei Invitation Homes, der Firma, \u00fcber die Blackstone seine Immobiliengesch\u00e4fte abwickelt, sind die durchschnittlichen Mieterh\u00f6hungen pro Jahr <a href=\"https:\/\/d3n8a8pro7vhmx.cloudfront.net\/acceinstitute\/pages\/100\/attachments\/original\/1516388955\/WallstreetLandlordsFinalReport.pdf?1516388955\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">doppelt<\/a> so hoch wie im Rest des Landes. Weil die Beteiligungsmodelle auf Versprechen beruhen, dass die Anleger h\u00f6here als die markt\u00fcblichen Renditen erhalten, m\u00fcssen \u00fcber das Mietgesch\u00e4ft drastische Geb\u00fchren f\u00fcr zu sp\u00e4te Mietzahlungen eingetrieben werden \u2013 und die Mieter auch schnell zwangsger\u00e4umt werden, wenn sie Mietr\u00fcckst\u00e4nde haben. Im Jahr 2015 erhielten in Atlanta ein Drittel der Mieter von Starwood Waypoint Homes (die 2017 mit Invitation Homes fusionierten) R\u00e4umungsank\u00fcndigungen.<\/p>\n<p>Blackstones spezielles Gesch\u00e4ftsmodell wirkt wie ein Turbolader f\u00fcr ethnische Ungleichheit: Als erstes sichert sich das Unternehmen die zwangsger\u00e4umten H\u00e4user in Schwarzen Wohnvierteln (und treibt dabei die Hauspreise in die H\u00f6he, was es Familien, die sich erstmals ein Haus kaufen wollen, so richtig schwermacht), dann vermietet es die H\u00e4user, fordert immer h\u00f6here Mieten (<a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/investigates\/special-report\/usa-housing-invitation\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">knausert<\/a> allerdings bei den Reparaturen) und traktiert schlie\u00dflich die Mieter mit S\u00e4umniszuschl\u00e4gen und Zwangsr\u00e4umungen, wenn sie die \u00fcberh\u00f6hten Mietpreise nicht mehr zahlen k\u00f6nnen.<\/p>\n<blockquote><p>Blackstones Rolle bei der fortgesetzten Verhinderung, dass Schwarze Familien ein Verm\u00f6gen aufbauen k\u00f6nnen, ist einzig auf den Grundauftrag des Unternehmens zur\u00fcckzuf\u00fchren: eine maximale Rendite f\u00fcr Investitionen zu erzielen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Blackstone gab sich aber nicht damit zufrieden, auf der wirtschaftlichen Ebene den starken Mann zu spielen. Der Konzern wollte seinen Einfluss auch auf politischer Ebene geltend machen und wandte betr\u00e4chtliche Mittel daf\u00fcr auf, sich f\u00fcr politische Ma\u00dfnahmen starkzumachen, von denen die Schwarze Bev\u00f6lkerung \u00fcberproportional hart getroffen wurde.<\/p>\n<p>Beispielsweise <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2018\/10\/12\/prop-10-california-rent-control-wall-street\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gab<\/a> Blackstone 2018 fast 7\u00a0Millionen US-Dollar daf\u00fcr aus, in Kalifornien einen Gesetzesentwurf zu vereiteln, der es den St\u00e4dten erlaubt h\u00e4tte, ihre eigenen Mietpreisgesetze zu machen. In New York geh\u00f6rte Blackstone im letzten Jahr zu einem <a href=\"https:\/\/gothamist.com\/news\/powerful-nyc-landlords-secretly-met-with-affordable-housing-advocates-to-seek-rent-reform-compromise\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kl\u00fcngel<\/a> von Vermietungsunternehmen, die einen erfolglosen letzten Versuch unternahmen, das neue <a href=\"https:\/\/jacobinmag.com\/2019\/06\/new-york-housing-tenants-universal-rent-control\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mietregelungsgesetz zum Schutz der Mieter<\/a> im Staat New York zu kippen. In beiden Bundesstaaten sind Schwarze mit weitaus gr\u00f6\u00dferer Wahrscheinlichkeit Mieter als Wei\u00dfe.<\/p>\n<p>Aber nichts davon \u2013 weder die Ausgaben f\u00fcr politische Zwecke noch das raffgierige Gesch\u00e4ftsmodell \u2013 ist entscheidend f\u00fcr die Frage, ob Blackstone eine schlechte Unternehmenskultur hat oder nicht zur \u201eF\u00f6rderung der Inklusion\u201c beitr\u00e4gt, wie das Unternehmen in seiner Erkl\u00e4rung nach dem Mord an Floyd behauptet. Seine Rolle bei der fortgesetzten Verhinderung, dass Schwarze Familien ein Verm\u00f6gen aufbauen k\u00f6nnen, ist einzig auf den Grundauftrag des Unternehmens zur\u00fcckzuf\u00fchren: eine maximale Rendite f\u00fcr Investitionen zu erzielen.<\/p>\n<p>Aus der Sicht der Investoren leistet Blackstone gute Arbeit. Als das Unternehmen 2017 mit Invitation Homes an die B\u00f6rse ging, r\u00e4umte es ab: Der B\u00f6rsengang brachte <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-invitation-homes-ipo-idUSKBN15F2WD\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1,5 Milliarden US-Dollar<\/a> ein. Und zur gleichen Zeit, als das Unternehmen sein <a href=\"https:\/\/www.blackstone.com\/insights\/article\/diversity-and-inclusion-at-blackstone\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eDiverse Leaders Program\u201c<\/a> auf den Weg brachte, mit dem es \u201eTalente aus dem breitestm\u00f6glichen Universum anziehen\u201c wollte, schickte es Leute nach Albany, um gegen Mieterschutzbestimmungen vorzugehen, von denen Schwarze \u00fcberproportional profitieren w\u00fcrden. Es spricht wenig daf\u00fcr, dass neue und unterschiedliche Gesichter in der Vorstandsetage Blackstone dazu bringen werden, irgendeine Gelegenheit auszulassen, Profite zu machen.<\/p>\n<blockquote><p>Wenn Blackstone und alle anderen US-Konzerne aufh\u00f6ren sollen, Strategien zu verfolgen, die die ethnische Ungleichheit verst\u00e4rken, dann muss man sie zwingen, damit aufzuh\u00f6ren. Mit gutem Zureden und moralischen Appellen wird man ihr Verhalten nicht \u00e4ndern.<\/p><\/blockquote>\n<p>Anders gesagt: Wenn Blackstone und alle anderen US-Konzerne aufh\u00f6ren sollen, Strategien zu verfolgen, die die ethnische Ungleichheit verst\u00e4rken, dann muss man sie zwingen, damit aufzuh\u00f6ren. Mit gutem Zureden und moralischen Appellen wird man ihr Verhalten nicht \u00e4ndern. Das bedeutet, dass politische Ma\u00dfnahmen ergriffen werden m\u00fcssen, mit denen die Macht des Kapitals eingeschr\u00e4nkt wird und die den Kreislauf durchbrechen, bei dem Unternehmen, die eigentlich gegen die Entmachtung von Schwarzen sind, genau diese Entmachtung wiederherstellen.<\/p>\n<p>Im Fall des Eintritts von Beteiligungskapitalgesellschaften in den Immobilienmarkt w\u00e4re es ziemlich einfach gewesen, Ma\u00dfnahmen einzuf\u00fchren, die das verhindern. Die Obama-Regierung <a href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/politics\/archive\/2016\/12\/obamas-failure-to-mitigate-americas-foreclosure-crisis\/510485\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hatte alle notwendigen Befugnisse<\/a>, Hypotheken umzuschreiben, um es den Familien zu erm\u00f6glichen, ihre H\u00e4user zu behalten. Stattdessen nutzte sie ihr Vorrecht, den Geldfluss f\u00fcr die Gl\u00e4ubiger zu sichern, womit sie den Weg f\u00fcr die Dezimierung des Verm\u00f6gens schwarzer Haushalte ebnete.<\/p>\n<p>Die Regierung h\u00e4tte einfach entscheiden k\u00f6nnen, die zwangsversteigerten H\u00e4user nicht an Kapitalbeteiligungsgesellschaften zu verkaufen oder den Verkauf zumindest mit Bedingungen zum Mieterschutz zu verkn\u00fcpfen. Obwohl Obama in seinem Wahlkampf von 2012 mit Begeisterung gegen Beteiligungskapital wetterte (was zu Cory Bookers unvergesslichem Appell f\u00fchrte, \u201eBeteiligungskapital nicht l\u00e4nger schlechtzureden\u201c), rollte seine Regierung f\u00fcr Kapitalbeteiligungsfonds den roten Teppich zu ihrem Eintritt in den Immobilienmarkt aus.<\/p>\n<p>Eine der letzten Ma\u00dfnahmen der Obama-Regierung war dann auch noch, f\u00fcr Invitation Homes die Absicherung ihrer Mieteinnahmen zu <a href=\"https:\/\/www.nakedcapitalism.com\/2017\/01\/the-obama-administration-bails-out-private-equity-landlords-at-the-expense-of-the-middle-class-government-guarantees-for-rental-securitization.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">unterst\u00fctzen<\/a>. Bei jedem ihrer Schritte gab die Obama-Administration den Interessen des Kapitals den Vorrang \u2013 und versetzte damit der ethnischen Gleichstellung einen vernichtenden Schlag.<\/p>\n<blockquote><p>Der Immobilienmarkt ist in dieser Hinsicht aber keineswegs einzigartig. F\u00fcr die gesamte Wirtschaft gilt, dass sich Initiativen zur Reduzierung der ethnischen Ungleichheit gegen die Opposition des Kapitals durchsetzen m\u00fcssen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Heute wird genau das Gegenteil gebraucht: politische Ma\u00dfnahmen, die die Macht des Kapitals einschr\u00e4nken, um f\u00fcr mehr Gleichheit zu sorgen. Ein Beispiel daf\u00fcr sind die Ma\u00dfnahmen f\u00fcr eine <a href=\"https:\/\/jacobinmag.com\/2019\/11\/rent-control-housing-crisis-affordability-supply\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mietenbremse<\/a> in New York und Kalifornien, gegen die Blackstone k\u00e4mpfte. Ein weiteres Beispiel w\u00e4ren Einschr\u00e4nkungen bei Zwangsr\u00e4umungen: dass Vermieter beispielsweise das Bem\u00fchen nachweisen m\u00fcssen, mit den Mietern einen Plan f\u00fcr die \u00fcberf\u00e4lligen Mietzahlungen auszuarbeiten \u2013 das w\u00fcrde dazu beitragen, den <a href=\"https:\/\/scholar.harvard.edu\/files\/mdesmond\/files\/desmond.evictionpoverty.ajs2012.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Teufelskreis von Armut und Zwangsr\u00e4umung<\/a> aufzubrechen, von dem <a href=\"https:\/\/www.innovations.harvard.edu\/sites\/default\/files\/10950.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig h\u00e4ufig Schwarze Frauen betroffen sind<\/a>.<\/p>\n<p>Es wurden auch ehrgeizigere Ma\u00dfnahmen zum Schutz der Mieter vorgeschlagen, beispielsweise dass die Vermieter R\u00e4umungsank\u00fcndigungen zun\u00e4chst einer unabh\u00e4ngigen, demokratisch gew\u00e4hlten <a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/2093296\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pr\u00fcfungskommission der Gemeinde<\/a> vorlegen m\u00fcssen. Etwas bescheidener ist da der Vorschlag, dass Immobilieninvestoren wie Blackstone auferlegt werden k\u00f6nnte, jedes Haus, das sie verkaufen wollen, zun\u00e4chst den zu der Zeit darin lebenden Mietern anzubieten und damit den Schwarzen Familien, die sie aus dem H\u00e4usermarkt gedr\u00e4ngt hatten, einen Weg zur\u00fcck zu ebnen.<\/p>\n<p>Auf struktureller Ebene lohnt sich der Gedanke, ob Kapitalbeteiligungsgeier wie Blackstone nicht einfach verboten werden sollten. Alle genannten Ma\u00dfnahmen kommen f\u00fcr Blackstone (und andere Immobilienfirmen) nicht in Frage \u2013 und zwar nicht, weil sie nicht \u00fcber ethnische Ungleichheit nachdenken wollen, sondern weil diese Ma\u00dfnahmen sie in ihren M\u00f6glichkeiten beschneiden w\u00fcrden, Menschen f\u00fcr ihr Profitstreben auszubeuten.<\/p>\n<p>Der Immobilienmarkt ist in dieser Hinsicht aber keineswegs einzigartig. F\u00fcr die gesamte Wirtschaft gilt, dass sich Initiativen zur Reduzierung der ethnischen Ungleichheit gegen die Opposition des Kapitals durchsetzen m\u00fcssen. Angesichts der \u00dcberrepr\u00e4sentation von Schwarzen im Niedriglohnbereich sind beispielsweise gesetzliche Mindestl\u00f6hne eine <a href=\"https:\/\/twitter.com\/equitablegrowth\/status\/1213959988185485312\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wirksame Waffe<\/a>, das Lohngef\u00e4lle zwischen Schwarzen und Wei\u00dfen etwas auszugleichen. Auch eine <a href=\"https:\/\/www.cepr.net\/report\/black-workers-unions-and-inequality\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gewerkschaftliche Organisierung<\/a> w\u00e4re ein wahrer Segen f\u00fcr ethnische Lohngleichheit.<\/p>\n<blockquote><p>In einer Gesellschaft mit tiefgehenden ethnischen Ungleichheiten wie den USA werden die grunds\u00e4tzlichen Aufgaben des Marktes daf\u00fcr sorgen, dass sich an der brutalen Diskriminierung in unserer Gesellschaft nur wenig \u00e4ndert.<\/p><\/blockquote>\n<p>Unternehmensgruppen sind vehement gegen beides. Nichtwirtschaftliche Formen ethnischer Ungleichheit, wie Umweltrassismus, stehen vor denselben Problemen. In Flint beispielsweise, einer Stadt in Michigan, mangelt es an sauberem Trinkwasser, weil den Interessen der <a href=\"https:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/10.1177\/0896920517718039\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Investoren, denen die Stadt Geld schuldet<\/a>, h\u00f6here Priorit\u00e4t einger\u00e4umt wird als den Interessen der eigenen Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Ohne Eingriffe von au\u00dfen werden Firmen nicht aufh\u00f6ren, die Arbeitskr\u00e4fte auszubeuten, die sich am wenigsten dagegen wehren k\u00f6nnen, die Wohnviertel mit den am meisten gef\u00e4hrdeten Menschen zu pl\u00fcndern und ihre Kosten denjenigen aufzub\u00fcrden, die sie am wenigsten daran hindern k\u00f6nnen. In einer Gesellschaft mit tiefgehenden ethnischen Ungleichheiten wie den USA werden die grunds\u00e4tzlichen Aufgaben des Marktes daf\u00fcr sorgen, dass sich an der brutalen Diskriminierung in unserer Gesellschaft nur wenig \u00e4ndert.<\/p>\n<p>Der Weg nach vorne kann deshalb nicht darin bestehen, den F\u00fchrungskr\u00e4ften von Blackstone oder der Bank of America geh\u00f6rig ins Gewissen zu reden. Zu welch d\u00fcnnen Verpflichtungen f\u00fcr soziale Gerechtigkeit diese Konzerne sich dann auch immer gen\u00f6tigt sehen, nichts wird sie je davon abhalten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit Profite zu machen. Einzig eine riesige Volksbewegung, die es sich zum Ziel setzt, die Macht der Konzerne einzud\u00e4mmen, kann Unternehmen dazu bringen, \u201edas Richtige zu tun\u201c.<\/p>\n<p>Kurz vor seiner Ermordung hatte Dr. Martin Luther King Jr. <a href=\"https:\/\/truthout.org\/articles\/martin-luther-king-jr-all-labor-has-dignity\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">vor streikenden <\/a>Arbeitern in der Abfallwirtschaft die Frage gestellt: \u201eWas ist Macht? Der Gewerkschaftsf\u00fchrer Walter Reuther sagte einst, dass \u201aMacht die F\u00e4higkeit von Gewerkschaften wie der UAW ist, den m\u00e4chtigsten Konzern der Welt \u2013 General Motors \u2013 dazu zu bringen, ja zu sagen, wenn er eigentlich nein sagen will\u2018\u201c. Heute sind viele Konzerne mit Freuden bereit, ja zu Slogans f\u00fcr Black Lives zu sagen. Aber um ihre ethnischen Pl\u00fcnderungen zu stoppen, m\u00fcssen sie gezwungen werden, mit ihrem erbarmungslosen Profitstreben aufzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p><em>Aus dem Englischen von Ina G\u00f6rtz<\/em><\/p>\n<p><em>(c) Jacobin<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geht nicht um Gesinnung, sondern ums Gesch\u00e4ftsmodell: Um Rassismus zu bek\u00e4mpfen, muss man die Macht der Konzerne bek\u00e4mpfen. Wenn Blackstone und alle anderen US-Konzerne aufh\u00f6ren sollen, Strategien zu verfolgen, die die ethnische Ungleichheit verst\u00e4rken, dann muss man sie zwingen, damit aufzuh\u00f6ren. Mit gutem Zureden und moralischen Appellen wird man ihr Verhalten nicht \u00e4ndern.\u00a0\u00a0\u00a0 Von &hellip; <a href=\"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=5997\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Keine Frage der Moral<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,4],"tags":[],"class_list":["post-5997","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-antirassismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5997","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5997"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5997\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6005,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5997\/revisions\/6005"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5997"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5997"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5997"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}