{"id":6629,"date":"2021-12-14T19:13:30","date_gmt":"2021-12-14T19:13:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=6629"},"modified":"2021-12-14T19:13:30","modified_gmt":"2021-12-14T19:13:30","slug":"war-sells","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=6629","title":{"rendered":"War Sells"},"content":{"rendered":"<div class=\"row\">\n<div class=\"col-sm-12 news-item-header\">\n<h2 class=\"news-item-subtitle\">Die 100 gr\u00f6\u00dften R\u00fcstungskonzerne der Welt sind im Pandemiejahr 2020 trotz Wirtschaftskrise gewachsen. Drei Viertel von ihnen stammen aus den USA und Europa.<\/h2>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"row\">\n<div class=\"col-md-8\">\n<div class=\"lead\">\n<p><span class=\"city\">BERLIN\/WASHINGTON<\/span> (Eigener Bericht) &#8211; Angef\u00fchrt von westlichen Waffenschmieden haben die 100 gr\u00f6\u00dften R\u00fcstungskonzerne der Welt ihren Umsatz im Pandemiejahr 2020 trotz des Einbruchs der Weltwirtschaft gesteigert und einen neuen R\u00fcstungsrekord erreicht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wie das Stockholmer Forschungsinstitut SIPRI berichtet, ist ihr Umsatz im vergangenen Jahr um 1,3 Prozent auf mehr als eine halbe Billion US-Dollar gestiegen, w\u00e4hrend die globale Wirtschaftsleistung um 3,1 Prozent fiel. US-Konzerne erzielen 54 Prozent, europ\u00e4ische Konzerne (ohne Russland) rund 21 Prozent des Top 100-Gesamtumsatzes; zusammengenommen kommen allein die transatlantischen Gro\u00dfunternehmen damit auf einen Umsatzanteil von drei Vierteln. China (13 Prozent) und Russland (5 Prozent) liegen weit zur\u00fcck. Der j\u00fcngste Aufschwung der R\u00fcstungsindustrie begann im Jahr 2015, unmittelbar nach der Eskalation des Konflikts um die Ukraine; die massive Verst\u00e4rkung des Machtkampfs gegen China durch die Trump-Administration hat ihn forciert. L\u00e4ngst finden sich unter den Top 100-R\u00fcstungskonzernen auch IT-Firmen; in Zukunft m\u00fcssen wom\u00f6glich auch Internetriesen wie Microsoft oder Google in die Liste aufgenommen werden.<\/p>\n<\/div>\n<h3>Rivalit\u00e4t und R\u00fcstung<\/h3>\n<p>Die gr\u00f6\u00dften 100 R\u00fcstungskonzerne der Welt haben ihr Gesch\u00e4ft im Pandemiejahr 2020 trotz des allgemeinen wirtschaftlichen Einbruchs ausbauen k\u00f6nnen. Dies zeigt ein aktueller Bericht des Stockholmer Forschungsinstituts SIPRI. W\u00e4hrend die Weltwirtschaft im vergangenen Jahr um 3,1 Prozent schrumpfte, konnten die bedeutendsten Waffenschmieden demnach ihre Ums\u00e4tze um 1,3 Prozent steigern &#8211; auf ein Volumen von 531 Milliarden US-Dollar.[1] Das war mehr als die Wirtschaftsleistung Belgiens (515 Milliarden US-Dollar) und kaum weniger als die Wirtschaftsleistung Polens (594 Milliarden US-Dollar). Die Branche setzt damit ihren Wachstumskurs fort, der 2015 begonnen hat &#8211; unmittelbar nach der Eskalation des Konflikts mit Russland um die Ukraine im Jahr 2014 und kurz bevor die Trump-Administration im Jahr 2017 den Machtkampf gegen China massiv verst\u00e4rkte. Die Umsatzsteigerung im vergangenen Jahr f\u00e4llt umso mehr ins Gewicht, als ihr sogar die Pandemiefolgen wie etwa die Ausf\u00e4lle in den Lieferketten nichts anhaben konnten, von denen auch die R\u00fcstungskonzerne nicht ausgenommen waren. In ihr spiegelt sich die zentrale Rolle wider, die die Staaten weltweit angesichts ihrer eskalierenden Rivalit\u00e4ten der Aufr\u00fcstung beimessen.<\/p>\n<h3>Transatlantische Spitzenreiter<\/h3>\n<p>Der SIPRI-Bericht belegt dabei die mit Abstand f\u00fchrende Rolle der westlichen M\u00e4chte in der globalen Aufr\u00fcstungsspirale. So handelt es sich bei 41 der 100 gr\u00f6\u00dften R\u00fcstungskonzerne um US-Unternehmen, die zusammen einen Umsatz von 285 Milliarden US-Dollar erzielten &#8211; 1,9 Prozent mehr als 2019 und 54 Prozent des aufaddierten Umsatzes s\u00e4mtlicher Top 100-R\u00fcstungskonzerne. Die insgesamt 26 europ\u00e4ischen Konzerne (au\u00dfer Russland) unter den Top 100 kamen auf einen Umsatz von 109 Milliarden US-Dollar, 21 Prozent des Gesamtumsatzes aller Top 100-Waffenschmieden. F\u00fcnf chinesische R\u00fcstungskonzerne kamen auf einen Umsatz von 66,8 Milliarden US-Dollar (13 Prozent), neun russische Waffenschmieden lagen zusammen bei einem Umsatz von 26,4 Milliarden US-Dollar (5 Prozent). Besonders stark steigern konnten ihr Gesch\u00e4ft die f\u00fcnf R\u00fcstungskonzerne aus Japan sowie die vier aus S\u00fcdkorea unter den Top 100, die 2020 einen Umsatzzuwachs von 2,7 Prozent (Japan) bzw. 4,6 Prozent (S\u00fcdkorea) verzeichneten &#8211; eine Begleiterscheinung des eskalierenden westlichen Machtkampfs gegen China. Auch die drei indischen R\u00fcstungskonzerne unter den Top 100 legten um 1,2 Prozent zu, w\u00e4hrend Indiens Wirtschaft insgesamt um verheerende 8,0 Prozent einbrach.<\/p>\n<h3>Deutschlands Waffenschmieden<\/h3>\n<p>Die deutsche R\u00fcstungsbranche wird in dem SIPRI-Bericht, der vier deutsche Konzerne mit einem Gesamtumsatz von rund 8,9 Milliarden US-Dollar auflistet (1,7 Prozent des Top 100-Umsatzes), in Bezug auf ihr Gesamtvolumen unterbewertet: SIPRI etikettiert zwei gro\u00dfe R\u00fcstungskonzerne, die bedeutende Standorte in Deutschland haben, als &#8222;Trans-European&#8220;, weshalb sie in den Angaben f\u00fcr Deutschland nicht auftauchen; bei ihnen handelt es sich um MBDA mit einem Umsatz von mehr als vier Milliarden US-Dollar sowie insbesondere um Airbus, den elftgr\u00f6\u00dften R\u00fcstungskonzern der Welt, der seinen R\u00fcstungsumsatz im vergangenen Jahr auf knapp zw\u00f6lf Milliarden US-Dollar steigern konnte, 21 Prozent seines Gesamtumsatzes. Airbus ist aktuell an Europas gr\u00f6\u00dftem und teuerstem R\u00fcstungsprojekt beteiligt, an Entwicklung und Bau eines Kampfjets der n\u00e4chsten, inzwischen sechsten Generation (&#8222;Future Combat Air System&#8220;, FCAS), dessen Kosten auf eine dreistellige Milliarden-Euro-Summe gesch\u00e4tzt werden.[2] Nach Angaben des International Institute for Strategic Studies (IISS) aus London ist die Bundesrepublik das Land mit den siebtgr\u00f6\u00dften R\u00fcstungsausgaben weltweit. Zudem war sie im F\u00fcnfjahreszeitraum von 2015 bis 2019 viertgr\u00f6\u00dfter R\u00fcstungsexporteur der Welt.[3]<\/p>\n<h3>Kampfjets und Kriegsschiffe<\/h3>\n<p>Bei den vier deutschen R\u00fcstungskonzernen, die es 2020 unter die Top 100 geschafft haben, handelt es sich um Rheinmetall, ThyssenKrupp, Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Hensoldt. Rheinmetall (D\u00fcsseldorf, R\u00fcstungsumsatz 2020: 4,2 Milliarden US-Dollar) kann dieses Jahr bislang erneut steigende Ums\u00e4tze verzeichnen und hat seinen Auftragsbestand &#8211; weitestgehend im milit\u00e4rischen Bereich &#8211; auf rund 14 Milliarden Euro gesteigert, unter anderem dank einer Bestellung eines Flugabwehrsystems und dank Auftr\u00e4gen zur Modernisierung von Sch\u00fctzenpanzern.[4] ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS, Kiel) leidet ein wenig darunter, dass der Auftrag zum Bau des neuen Mehrzweckkampfschiffs MKS 180 an die niederl\u00e4ndische Damen- und die Bremer L\u00fcrssen-Werft ging, konnte aber leichte Einbu\u00dfen im Jahr 2020 mittlerweile dank des Baus von Kriegsschiffen f\u00fcr die deutsche und die israelische Marine wieder ausgleichen.[5] KMW (M\u00fcnchen) ist am Bau eines deutsch-franz\u00f6sischen Kampfpanzers der n\u00e4chsten Generation beteiligt, w\u00e4hrend Hensoldt (Taufkirchen bei M\u00fcnchen) zuletzt vor allem mit der Lieferung von Sensoren f\u00fcr die t\u00fcrkischen Drohnen Bayraktar TB2 Schlagzeilen machte. Die Sensoren werden von Hensoldt Optronics, einer 70-prozentigen Tochterfirma, in S\u00fcdafrika hergestellt.[6]<\/p>\n<h3>Der milit\u00e4risch-digitale Komplex<\/h3>\n<p>SIPRI weist darauf hin, dass die R\u00fcstungsindustrie &#8211; wie auch andere Branchen &#8211; in schnell zunehmendem Umfang auf modernste Informations- und Kommunikationstechnologien zur\u00fcckgreift und dass daher l\u00e4ngst gro\u00dfe IT-Konzerne unter den Top 100-R\u00fcstungsfirmen zu finden sind &#8211; etwa die US-Konzerne Leidos (Rang 16) oder CACI International (Rang 29). Zudem h\u00e4lt das Stockholmer Forschungsinstitut fest, dass vor allem das Pentagon immer \u00f6fter die Dienste von Internetriesen wie Microsoft, Amazon sowie Google nutzt &#8211; &#8222;ein klarer Hinweis, dass das US-Verteidigungsministerium von der technischen Expertise des Silicon Valley etwa in K\u00fcnstlicher Intelligenz, Maschinellem Lernen sowie Cloud Computing profitieren will. Dabei geht es l\u00e4ngst um Auftr\u00e4ge in teils zweistelligem Milliardenvolumen. Allerdings hat der R\u00fcstungsumsatz bei den US-Internetriesen noch nicht die H\u00f6he erreicht, die erforderlich w\u00e4re, um sie in die Liste der 100 gr\u00f6\u00dften R\u00fcstungskonzerne weltweit aufzunehmen. Mit Blick auf die rasant wachsende Bedeutung des Internet, von K\u00fcnstlicher Intelligenz und Cloud Computing f\u00fcr die Kriegf\u00fchrung der Zukunft ist dies jedoch wohl lediglich eine Frage der Zeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[1] The SIPRI Top 100 Arms-Producing and Military Services Companies, 2020. Stockholm, December 2021.<\/p>\n<p>[2] S. dazu <a href=\"https:\/\/www.german-foreign-policy.com\/news\/detail\/8563\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Der High-Tech-Kampfjet der EU<\/a>.<\/p>\n<p>[3] S. dazu <a href=\"https:\/\/www.german-foreign-policy.com\/news\/detail\/8537\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Militarisierung der Welt<\/a>.<\/p>\n<p>[4] Zwischenbericht nach neun Monaten. rheinmetall.com 05.11.2021.<\/p>\n<p>[5] Marc Selinger: Thyssenkrupp might shed naval business. janes.com 07.12.2021.<\/p>\n<p>[6] Daniel L\u00fccking: Krieg unter deutschen Augen. nd-aktuell.de 01.12.2021.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"col-md-4\">\n<div class=\"thumbnail\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"img-responsive\" src=\"https:\/\/www.german-foreign-policy.com\/fileadmin\/introduction\/images\/maps\/4_nordamerika\/79_usa.gif\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"1000\" \/><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quelle: German-foreign policy, 10.12.2021<\/p>\n<hr \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 100 gr\u00f6\u00dften R\u00fcstungskonzerne der Welt sind im Pandemiejahr 2020 trotz Wirtschaftskrise gewachsen. Drei Viertel von ihnen stammen aus den USA und Europa. 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