{"id":8229,"date":"2024-12-15T20:51:51","date_gmt":"2024-12-15T20:51:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=8229"},"modified":"2024-12-15T20:51:51","modified_gmt":"2024-12-15T20:51:51","slug":"auf-den-spuren-des-christlichen-widerstandes-bericht-ueber-unsere-radtour","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=8229","title":{"rendered":"Auf den Spuren des christlichen Widerstandes-Bericht \u00fcber unsere Radtour"},"content":{"rendered":"<p>Unter dem Leitgedanken, dass jeder ernsthafte Nachfolge Christi\u00a0 ein Ruf in die Praxis ist, organisierte Pax Christi Steiermark eine herbstliche Radtour zu Grazer Gedenkst\u00e4tten des christlichen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Auch AktivistInnen der Steirischen Friedensplattform nahmen daran teil.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Alle Orte, die wir aufsuchten, waren Menschen gewidmet, die einen Teil ihres Lebens in Graz verbrachten. Die Stationen im Einzelnen:<\/p>\n<ul>\n<li><b>Maria Stromberger-Gasse:<\/b> Diese Gasse wurde erst im Februar 2024 umbenannt. Vorher hie\u00df sie Ottokar Kernstock Gasse. Diese Umbenennung ist zugleich ein Indiz daf\u00fcr, dass gl\u00e4ubige Weltanschauungen unter dem Einflu\u00df anderer Traditionen sehr unterschiedliche Richtungen nehmen k\u00f6nnen. Der Dichter, Priester und Augustiner-Chorherr Kernstock war vom deutschnational-antislowenischen Volkstumskampf seiner Herkunft in der Untersteiermark gepr\u00e4gt. Er geriet in den Sog des Nationalsozialismus\u00a0 und verfasste 1923 das &#8222;Hakenkreuzlied&#8220;. Ganz anders Maria Stromberger. Sie erfuhr w\u00e4hrend des Krieges vom Leid im KZ Auschwitz und lie\u00df sich, in der Hoffnung, dieses Leid mildern zu k\u00f6nnen, als Krankenschwester dorthin versetzen und kam auch in den Kontakt mit dem politisch aktiven Widerstand. Maria<b> <\/b>Stromberger \u00fcberlebte und bekam nach dem Krieg den Beinamen &#8222;Engel von Ausschwitz&#8220;.<\/li>\n<li><b>Kapistran Pieller Platz: <\/b>Der Priester des Franziskanerordens geh\u00f6rte der christlich-konservativen Widerstandsgruppe &#8222;Antifaschistische Freiheitsbewegung \u00d6sterreichs&#8220; an. Wegen Verbreitung von wehrkraftzersetzenden Flugbl\u00e4ttern wurde er am 15. April 1945 in\u00a0 Stein an der Donau hingerichtet.<\/li>\n<li><b>Max Josef Metzger: <\/b>An ihn erinnern eine Tafel am Karmeliterplatz und ein Stolperstein bei der Kirche Ulrichsbrunn in Graz-Andritz. Metzger war katholischer Priester. Aufgrund seiner Erfahrungen als Divisionspfarrer und seiner Verwundung im 1. Weltkrieg wurde er Pazifist. Er war auch ein fr\u00fcher Wegbereiter der \u00d6kumene. Er gr\u00fcndete einen &#8222;Weltfriedensbund vom Wei\u00dfen Kreuz&#8220;. Pazifismus, \u00d6kumene und seine lebensreformerischen Initiativen (etwa gegen den Alkoholmi\u00dfbrauch) bescherten ihm wiederholt Konflikte auch mit seiner Kirche. Die Kirche Ulrichsbrunn wurde der Sitz des von Metzgers gegr\u00fcndeten Christk\u00f6nigsgesellschaft, den er sp\u00e4ter nach meitingen in Bayern verlegte. Auch war er in der Una-Sancta-Bewegung aktiv. Von einer dort eingschleusten Spitzelin verraten, wurde er vom Volksgerichtshof wegen Hochverrat und Feindbeg\u00fcnstigung zu Tode verurteilt und am 17. April 1944 in der Strafanstalt Brandenburg-G\u00f6rden hingerichtet. Im M\u00e4rz 2024 erfolgte die Seligsprechung Metzgers durch Papst Franziskus. Als katholischer Gedenktag\u00a0 wurde Metzgers Hinrichtungstag festgelegt.<\/li>\n<li><b>Johannes Ude-Gasse<\/b> in Graz-Andritz: Ude war katholischer Priester, vierfach promovierter Akademiker und Univ.Prof. an der Theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Graz. Er lebte eine sittenstrenge,\u00a0 umfassend lebensreformerischen Weltanschauung. Aufgrund des Gleichklangs ihrer \u00dcberzeugungen holte Ude Metzger nach Graz. Seine auch parteipolitische T\u00e4tigkeit im Sinne eines christlichen Sozialismus,\u00a0 brachte ihn in der Zwischenkriegszeit wiederholt in schwere Konflikt mit seiner Kirche\u00a0 und der Christlichsozialen Partei. Trotz seines Pazifismus, lie\u00df er sich vor dem Anschlu\u00df \u00d6sterreichs als Pro-Redner einspannen, brach aber nach der Reichsprogromnacht (9.\/10.\u00a0 Nov. 1938) schlagartig mit dem Nationalsozialismus. Als Seelsorger nach Grundlsee versetzt kam er in Kontakt mit der Ausseer Wiederstandsbewegung. Er kam Ende 1944 in Wels in Gestapo-Haft und wurde wegen Feindbeg\u00fcnstigung\u00a0 und Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt. Der Hinrichtung\u00a0 kam das Kriegsende zuvor. Da die Hinrichtung nicht sofort vollzogen wurde, wird vermutet, dass der steirische Gauleiter Sigfried Uiberreither, der ihn als Person gesch\u00e4tzt haben soll, hier sch\u00fctzend gewirkt hat.<\/li>\n<li><b>Die verbundenen Stolpersteine f\u00fcr Michael Lerpscher, Josef Ruf und Max Josef Metzger bei der Wallfahrtskirche Ulrichsbrunn in Graz-Andritz. Michael Lerpscher<\/b> war Laienbruder der Christk\u00f6nigsgesellschaft. Er arbeitet in der Landwirtschaft der Kirche Ulrichsbrunn. Nach der Einberufung zur Wehrmacht in Graz, verweigerte er den Kriegsdienst. Er wurde am 5. Sept. 1940 im Zuchthaus Brandenburg-G\u00f6rden wegen Wehrkraftzersetzung per Fallbeil hingerichtet. <b>Josef Ruf<\/b> war zun\u00e4chst Bruder des Franziskanerordens, trat dann zu Metzgers Missionsgesellschaft \u00fcber und betreute die Kirche Ulrichsbrunn. Nach der Einberufung zur Wehrmacht verweigerte er den Fahneneid auf Hitler. Am 10. Okt. 1940 wurde er im Zuchthaus Brandenburg-G\u00f6rden wegen Wehrkraftzersetzung durch das Fallbeil hingerichtet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Franz S\u00f6lkner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Leitgedanken, dass jeder ernsthafte Nachfolge Christi\u00a0 ein Ruf in die Praxis ist, organisierte Pax Christi Steiermark eine herbstliche Radtour zu Grazer Gedenkst\u00e4tten des christlichen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. 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