{"id":825,"date":"2009-04-05T22:39:58","date_gmt":"2009-04-05T20:39:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=825"},"modified":"2009-04-05T22:39:58","modified_gmt":"2009-04-05T20:39:58","slug":"repression-in-strassburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=825","title":{"rendered":"Repression in Strassburg"},"content":{"rendered":"<p><strong>oder: Die Rache des kleinen Mannes<\/strong><\/p>\n<p><em>von Leo Gabriel<\/em><\/p>\n<p>Schon am Vortag hatte Nicolas Sarkozy von den CRS, der f\u00fcr Kn\u00fcppelorgien bei Demonstrationen sp\u00e4testens seit 1968 ber\u00fcchtigten Spezialtruppe der franz\u00f6sichen Polizei, gro\u00dfspurig gefordert: &#8222;Ich will keinen Demonstranten sehen!&#8220; Ordnungsgem\u00e4\u00df kam es dann noch dicker als die meisten der etwa 25  000 engagierten Friedensbewegten, die nach Stra\u00dfburg gekommen waren, um gegen die Nato zu protestieren, erwartet hatten .<br \/>\n<!--more--> &#8222;Es war wirklich unglaublich: zuerst akzeptierten die franz\u00f6sischen Beh\u00f6rden erst in allerletzter Minute die Demo-Route und dann blockierten sie die vereinbarten Zufahrtswege und lie\u00dfen den gesamten \u00f6ffentlichen Verkehr einstellen. Durch Einsch\u00fcchterungen in den lokalen Radiosendern wurde auch die lokale Bev\u00f6lkerung davon abgehalten, zur Kundgebung bei der Europa-Br\u00fccke zu kommen. Und dann flogen die Hubschrauber sogar noch bei der Kundgebung im Tiefflug. Ein gefundenes Fressen f\u00fcr die Provokateure.&#8220;<\/p>\n<p>Dieses statement gab niemand geringerer ab als Francis W\u00fcrtz, der Vorsitzende der linken Fraktion im Europaparlament. Sekunden sp\u00e4ter krachte es. Die CRS feuerte Tr\u00e4nengas aus allen Rohren \u00fcber die Menge der DemonstranInnen, die gerade von einem Rudel schwarz gekleideter jugendlicher \u00fcberholt wurde, eine Szene, die sich an diesem denkw\u00fcrdigen Nachmittag des 4. April 2009 noch dutzende Male wiederholen sollte.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich konnten weder die 8000 deutschen DemonstrantInnen, die auf der anderen Seite der Europa-Br\u00fccke standen, noch Tausende von franz\u00f6sischen und freiwilligen &#8222;Schlachtenbummlern&#8220; ihr Ziel, den unweit der Europa-Br\u00fccke gelegenen Platz erreichen, auf dem eine Stunde sp\u00e4ter die f\u00fcr 13 Uhr geplante Kundgebung begann.<\/p>\n<p>Weitaus flinker waren da die schwarz gekleideten Jugendlichen, die von den \u00fcbrigen DemonstrantInnen etwas zu Unrecht als &#8222;black block&#8220; identifiziert worden waren. Denn sie waren zwar schwarz angezogen, aber keineswegs ein homogener politischer Block.<\/p>\n<p>Das zeigte auch die Szene als ein  Aktivist der \u00f6sterreichischen Anti-Imperialistischen Koalition einem der &#8222;schwarzen&#8220; Buben, die gerade das Zollhaus in Brand gesteckt haben, einen Flyer reichte, in dem die Anerkennung der pal\u00e4stinensischen Hamas gefordert wurde,  und der spontan mit den Worten reagierte: &#8222;Hamas, um Gottes willen! Die sind doch Terroristen!&#8220;.<\/p>\n<p>Diese Jugendlichen hatten bereits ein oder zwei N\u00e4chte im Camp hinter<br \/>\nsich, von wo es ein mindestens eineinhalb st\u00fcndiger Fu\u00dfweg ins\u00a0 Stadtzentrum war. Gemeinsam marschierten mit den etwa  2000\u00a0&#8222;Schwarzen&#8220; auch die Clowns, die sich lustig verkleidet hatten, um die Anrainer der marginalen Viertel zum Lachen zu bringen und einzuladen, sich der demo anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Doch es kam anders: die Polizei blockierte ausgerechnet die Zufahrtswege, die die deutsch-franz\u00f6sische Demoleitung mit den Polizeibeh\u00f6rden m\u00fchsam ausgehandelt hatte, was einen buchst\u00e4blichen &#8222;Schlagabtausch&#8220; zwischen den steinewerfenden &#8222;Schwarzen&#8220; und den CRS mit jeweils Dutzenden verletzten DemonstantInnen zur Folge hatte. Augenzeugen zufolge waren dies vor allem auf eine &#8222;falsche&#8220; Handhabung der Patronen mit den Gummigescho\u00dfen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Anstelle die Gescho\u00dfe zuerst auf den Boden zu richten, wurden sie  blindlings in die  Menge geschossen&#8230;<\/p>\n<p>Trotz dieser Kanonaden schaffte es eine etwa 10 000 k\u00f6pfige Menschenmenge immer wieder, sich zusammenzufinden, solange bis sie vor einer nur etwa 10 meter breiten Bahnunterf\u00fchrung zum Stocken kam. Die Polizei hatte den Durchgang untersagt, weil auf der anderen Seite ein Hotel zu brennen begann, wobei die Urheberschaft dieses Brandanschlages bis zur Stunde ungekl\u00e4rt ist.<\/p>\n<p>Jetzt waren die DemonstrantInnen gefangen: w\u00e4hrend sich an der Spitze des Demonstrationszuges die &#8222;Schwarzen&#8220; mit der Polzei schwere Gefechte lieferten, hatte die Polizei zwei oder drei Keile in die Menge getrieben und dadurch den Demozug in mehrere Abschnitte zergliedert. Gleichzeitig waren die &#8222;Schwarzen&#8220; anscheinend bereit,  Barrikaden anzuz\u00fcnden, ein Vorhaben, von dem sie dann unter dem Druck der Menge doch Abstand nahmen.<\/p>\n<p>Keinen Abstand nahmen einige Gruppen von CRS, die den &#8222;Schwarzen&#8220; nachstellten und nach dramischen Verfolgungsjagden zu dritt niederkn\u00fcppelten. Wie in einem B\u00fcrgerkrieg gingen daraufhin die nicht schwarz gekleideten DemonstratInnen mit erhobenen H\u00e4nden durch die von der Polizei errichteten Sperren, wobei Jugendliche herausgegriffen und verhaftet wurden.<\/p>\n<p>Wie nach einer verlorenen Schlacht marschierten bei Sonnenuntergang Tausende in die au\u00dferhalb des Stadtkerns von Strassburg gelegenen Camps, die sich f\u00fcr ein paar Tage zu regelrechten Widerstandsd\u00f6rfern entwickelt hatten. Vermutlich war es dem kleinen Mann vom Elysee gelungen, da\u00df die Blicke der illusteren Runde, die gekommen war, den 60- j\u00e4hrigen Bestand des Nato- B\u00fcndnisses zu feiern, von keinem einzigen Demonstranten getr\u00fcbt wurden.<\/p>\n<p>Sarkozy hat also die Aufnahmspr\u00fcfung in die NATO geschafft. Ob er sie auch<br \/>\nbestanden hat, wird die Zukunft weisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>oder: Die Rache des kleinen Mannes von Leo Gabriel Schon am Vortag hatte Nicolas Sarkozy von den CRS, der f\u00fcr Kn\u00fcppelorgien bei Demonstrationen sp\u00e4testens seit 1968 ber\u00fcchtigten Spezialtruppe der franz\u00f6sichen Polizei, gro\u00dfspurig gefordert: &#8222;Ich will keinen Demonstranten sehen!&#8220; Ordnungsgem\u00e4\u00df kam es dann noch dicker als die meisten der etwa 25 000 engagierten Friedensbewegten, die nach &hellip; <a href=\"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=825\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Repression in Strassburg<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-825","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/825","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=825"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/825\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=825"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=825"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=825"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}