{"id":908,"date":"2009-06-29T21:45:04","date_gmt":"2009-06-29T19:45:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=908"},"modified":"2009-06-29T21:45:04","modified_gmt":"2009-06-29T19:45:04","slug":"buchankuendigung-antisemitismus-und-islamophobie-ein-vergleich-von-sabine-schiffer-und-constantin-wagner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=908","title":{"rendered":"Buchank&#252;ndigung: &quot;Antisemitismus und Islamophobie \u2013 ein Vergleich&quot; von Sabine Schiffer und Constantin Wagner"},"content":{"rendered":"<p>Wiedergegeben von: http:\/\/www.presseanzeiger.de<br \/>\n29.04.2009 12:24:27<\/p>\n<p>(PA) im HWK-Verlag in der Reihe &#8218;B\u00fccher, die unsere Weltsicht ver\u00e4ndern&#8216;, Sommer 2009<\/p>\n<p>ISBN 978-3-937245-05-8, Ladenpreis 24,80 \u20ac<\/p>\n<p>Erinnern alleine reicht nicht\u2026<\/p>\n<p>Auch so k\u00f6nnte man die Auseinandersetzung \u00fcberschreiben, die die Autoren in ihrem Buch austragen. Denn offensichtlich verhindert die Erinnerungskultur um den Holocaust nicht, dass der Antisemitismus weiterlebt und neue Formen von Rassismus am Horizont aufscheinen. Etwa das Feindbild Islam. Aber gerade das Thema Islamfeindlich\u00ackeit scheint jene aufzuschrecken, die sich eingerichtet haben im Wohnzimmer der r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten Betrachtung der Geschichte \u2013 ohne etwaige Erkenntnisse auf die Gegenwart zu beziehen. Dieser Prozess ist mit diesem Buch nicht mehr aufzuhalten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In fast regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden ergibt sich die Diskussion, ob die heute feststellbare Islamfeindlichkeit mit dem Antisemitismus fr\u00fcherer Zeiten vergleichbar sei. Meist aufgeregt und schnell unsachlich kochen die Polemiken hoch. Unvergleichlichkeitsdogmen werden formuliert, Tabus beschworen sowie vermeintliche Tabus gebrochen und mit viel Verve und vergleichsweise wenig Sachverstand an Moral und Political Correctness appelliert. All dies dient nicht der Kl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Auch als sich das renommierte Zentrum f\u00fcr Antisemitismusforschung in seinem Jahrbuch 2008 und auf Tagungen mit diesen Fragestellungen befasste, erntete es vorgefasste Ablehnung statt sachdienlicher Auseinandersetzung. Der Streit deutet auf tiefsitzende \u00c4ngste einerseits, und ebenso tiefsitzendes Unverst\u00e4ndnis und Unwissen andererseits hin. Haben wir die richtigen Lehren aus der deutschen Geschichte gezogen? Welche genau sind dies? Was wurde nicht erkannt? Und vor allem, warum gelingt es uns so schlecht, uns antisemitische Muster au\u00dferhalb des Nationalsozialismus zu vergegen\u00acw\u00e4rtigen? Und wie kommen wir dazu zu glauben, dass wir heute davor gefeit seien, andere zu diskriminieren \u2013 ja gar zu verachten und schlie\u00dflich zu entmenschlichen?<\/p>\n<p>Dieser Fragenstrang bildet eine Grundlinie im Buch von Sabine Schiffer und Constantin Wagner \u201eAntisemitismus und Islamophobie \u2013 ein Vergleich\u201c, das im Sommer 2009 im HWK-Verlag erscheint. Ein zweiter Fragenstrang betrifft die n\u00fcchterne Analyse und den Vergleich des antisemitischen Diskurses \u2013 vor allem Ende des 19. Jahrhunderts \u2013 mit dem antiislamischen von heute. In der Zusammenschau der jeweiligen Argumentationslinien und der Polemiken bzw. Verbalattacken ergeben sich sowohl Parallelen, etwa die Argumente der Synagogen- und Moscheebaustreitigkeiten, als auch Unterschiede, etwa in Bezug auf eine mehr oder weniger eingebildete globale Gefahr durch die jeweils d\u00e4monisierte Gruppe.<\/p>\n<p>Neben diesen historisch ausgerichteten Diskursanalysen besch\u00e4ftigen sich die Autoren aber auch mit vielen aktuellen Diskussionen. Weder wird der Fall Faruk Sen ausgespart, noch der sich zuspitzende Judenhass unter einigen Muslimen, wie auch der zunehmende Muslimhass unter einigen Juden. Auch der Nahostkonflikt als neuralgischer Punkt f\u00fcr Polarisierungen wird in seiner Funktion f\u00fcr die ein oder andere Argumentation mit einbezogen \u2013 denn gegenseitige Ressentiments speisen sich einerseits immer aus einem \u201ewahren Kern\u201c und andererseits aus den darum herum konstruierten Mythen, Verschw\u00f6rungstheorien und D\u00e4monisierungen, die teils gewollt sind, teils auf Missverst\u00e4ndnissen beruhen, wie die Autoren aufzeigen.<\/p>\n<p>Der Hauptfokus des Buches liegt aber auf der aktuellen Situation in Deutschland und auf den Wirkungen, die die immer aggressiver werdenden Verbalattacken auf einzelne Gruppenmitglieder haben. Dabei gelingt es nachzuvollziehen, dass Zuspitzungen und Diskriminierungen sich nicht im luftleeren Raum entwickeln, sondern das Produkt eines komplexen Wechselspiels im t\u00e4glichen Miteinander und den alles \u00fcberlagernden \u00f6ffentlichen Diskursen ist. Ohne die Akteure ihrer Verantwortung f\u00fcr die dann vollzogenen Handlungen zu entheben, er\u00f6ffnen die Autoren jedoch eine Perspektive auf m\u00f6gliche Ans\u00e4tze zur Bearbeitung der entstandenen Vorurteile. Dazu f\u00fchren sie am Schluss des Buches und sozusagen als Ausblick auf eine m\u00f6gliche Zukunft eine Reihe von Beispielen an, die durch ihre Existenz alleine belegen, dass die k\u00fcnstlich aufgebauten Grenzen \u00fcberwindbar sind.<\/p>\n<p>Ohne Sch\u00f6nf\u00e4rberei, aber auch ohne Dramatisierung und trotzdem h\u00f6chst interessant und oft spannend, tragen die Autoren auf 288 Seiten alles Relevante zum Thema zusammen. Sie zeichnen ein menschliches Bild von Konflikten und erkl\u00e4ren Zusammenh\u00e4nge, die eigentlich auf der Hand liegen, aber oft von kontraproduktiver Aufgeregtheit \u00fcberdeckt werden. Es geh\u00f6rt zur Pflichtlekt\u00fcre derer, die sich ernsthaft mit den Themen Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Rassismus, Gruppendynamik, diskriminierende Diskurse und Feindbilder auseinander setzen wollen.<\/p>\n<p>Das Autorenteam:<\/p>\n<p>Dr. Sabine Schiffer<\/p>\n<p>Nach dem Studium der Sprachwissenschaft, Promotion zur Islamdarstellung in den Medien. Vortr\u00e4ge, Seminare und Publikationen zu gesellschaftsrelevanten Themen wie Medienbildung, Diskriminierende Diskurse, Kriegspropaganda und Fragen der Vierten und einer erstarkenden F\u00fcnften Gewalt. Gr\u00fcndung und Leitung des Instituts f\u00fcr Medienverantwortung.<\/p>\n<p>Constantin Wagner<\/p>\n<p>Doppelstudium Soziologie \/ Religionswissenschaft in Frankfurt a.M. und Genf mit den Schwerpunkten soziale Teilhabe und Ausschlie\u00dfungsprozesse sowie Religions- und Migrationssoziologie. Er arbeitet zum Thema \u201esoziale Funktionen des Islam-Diskurses in Deutschland\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wiedergegeben von: http:\/\/www.presseanzeiger.de 29.04.2009 12:24:27 (PA) im HWK-Verlag in der Reihe &#8218;B\u00fccher, die unsere Weltsicht ver\u00e4ndern&#8216;, Sommer 2009 ISBN 978-3-937245-05-8, Ladenpreis 24,80 \u20ac Erinnern alleine reicht nicht\u2026 Auch so k\u00f6nnte man die Auseinandersetzung \u00fcberschreiben, die die Autoren in ihrem Buch austragen. 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