{"id":975,"date":"2009-10-27T19:19:00","date_gmt":"2009-10-27T17:19:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=975"},"modified":"2009-10-27T19:19:00","modified_gmt":"2009-10-27T17:19:00","slug":"werkstatt-rundbrief-nr-222009-solidaritaet-mit-den-studierenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=975","title":{"rendered":"Werkstatt-Rundbrief Nr. 22\/2009: Solidarit&#228;t mit den Studierenden!"},"content":{"rendered":"<p>Die Proteste und Kampfma\u00dfnahmen der Studierenden sind ermutigend. Sie zeigen, dass die Versuche der M\u00e4chtigen, die Krise f\u00fcr das Sch\u00fcren von Angst und Anpassung zu instrumentalisieren, nicht aufgehen m\u00fcssen. Wir k\u00f6nnen auch mit Solidarit\u00e4t und Widerst\u00e4ndigkeit reagieren, wir k\u00f6nnen damit die Grundlagen f\u00fcr eine demokratische Wende legen, die aus der neoliberalen Sackgasse herausf\u00fchrt. Die Werkstatt Frieden &amp; Solidarit\u00e4t solidarisiert sich mit den k\u00e4mpfenden Studierenden und wird alles in ihrer Macht stehende tun, um diese K\u00e4mpfe zu unterst\u00fctzen. Die Forderungen der Studierenden nach einer besseren materiellen Ausstattung der Universit\u00e4ten und nach Aufhebung der zunehmenden Selektion im Bildungsbereich, sind sowohl in ihrem eigenen Interesse als auch im Interesse der gro\u00dfen Mehrheit der Bev\u00f6lkerung sinnvoll und vern\u00fcnftig. Und sie treffen den Kern herrschender Hochschulpolitik.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Diese bewegt sich in einem wiederkehrenden Widerspruch: Auf der einen Seite brauchen die Kapitaleliten im globalen Konkurrenzkampf zunehmend mehr wissenschaftliches Know-how. Auf der anderen Seite kostet das Geld und erzeugt, je mehr der Zugang zu Wissen und Bildung verallgemeinert wird, einen \u2013 aus ihrer Sicht unerw\u00fcnschten &#8211; emanzipatorischen \u00dcberschuss. Denn bekanntlich ist Wissen auch Macht, und je breiter der Zugang zu h\u00f6herem Wissen, desto h\u00f6her auch die M\u00f6glichkeit zur Demokratisierung von Macht. Im sog. Bologna-Prozess haben sich die EU-Machteliten auf ein System zur Vereinheitlichung der EU-Hochschullandschaft geeinigt, um diesen Widerspruch kapital- und herrschaftskonform zu kanalisieren \u2013 durch Schaffung einer steilen Bildungshierarchie: Rasch verwertbare Schmalspurausbildung f\u00fcr die Masse in Form eines kurzen Bachelor-Studiums, nur mehr ein kleiner Teil dieser Studierenden soll anschlie\u00dfend zum Masterstudium weitergelangen, von denen wiederum nur mehr ein Bruchteil zum Doktorat. Die L\u00e4nge und die Kosten der weiterf\u00fchrenden wissenschaftlichen Qualifikation sorgen daf\u00fcr, dass sich sozialen Eliten \u201eweitervererben\u201c. Es ist kein Zufall, dass sich mit dem EU-Beitritt der gesellschaftliche R\u00fcckw\u00e4rtsgang an den \u00f6sterreichischen Unis beschleunigt hat:<\/p>\n<p>&#8211; Die studentische und demokratische Mitbestimmung wurde \u00fcber weite Strecken abgeschafft bzw. zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, w\u00e4hrend Ministerium auf der einen Seite und Industrie- und Bankmagnanten (Androsch, Scharinger, Siemens, usw.) auf der anderen immer direkter ihre Interessen an den Unis durchsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&#8211; Die  Studienpl\u00e4ne der meisten Studien wurden bereits auf die Bologna-Hierarchie  umgestellt (Bachelor, Master, Doktor)<\/p>\n<p>&#8211; Einschr\u00e4nkung von Familienbeihilfe und Freifahrt, sowie die Einf\u00fchrung von Studiengeb\u00fchren versch\u00e4rfen die soziale Selektion (Die teilweise Abschaffung der Studiengeb\u00fchren zeigt freilich auch, dass hartn\u00e4ckiger Widerstand auch am Establishment nicht spurlos vorbeigeht).<\/p>\n<p>&#8211; Durch das EUGH-Urteil betreffend die Zulassung von deutschen Studierenden an den \u00f6sterreichischen Unis wurde der Vorwand geschaffen, Zugangsbeschr\u00e4nkungen f\u00fcr alle einzuf\u00fchren. Mit dem neuen Universit\u00e4tsgesetz wird es erm\u00f6glicht, solche Selektionsh\u00fcrden sowohl am Beginn des Studiums als auch zwischen Bachelor und Master fl\u00e4chendeckend zu installieren.<\/p>\n<p>Zugleich kamen und kommen auch die Hochschulen verst\u00e4rkt unter die Maastricht-verordnete Sparpolitik. Seit Mitte der 90er Jahren stagniert die Zahl der ProfessorInnen und sinkt die Zahl des gesamten universit\u00e4ren Lehrpersonals. Die st\u00e4ndige Verschlechterung der personellen und materiellen Ausstattung schl\u00e4gt sich auch in den Studierendenzahlen nieder. Vergleicht man die 14 Jahre vor dem EU-Beitritt mit den 14 Jahren seither, so ist die Bilanz eindeutig: Von 1980 bis 1994 stieg die Zahl der Studierenden um 87%; von 1994 bis 2008 nur mehr um mickrige 3,4% (nachdem sie zwischenzeitlich nach Einf\u00fchrung der Studiengeb\u00fchren sogar dramatischen gesunken war).<\/p>\n<p>EU-Kommission und Regierungsvertreter haben bereits unmissverst\u00e4ndlich angek\u00fcndigt, dass so bald wie m\u00f6glich neue Sparpakete geschn\u00fcrt werden sollen. Damit sollen die Krisenlasten vorwiegend von jenen getragen werden, die in hohem Ma\u00df von \u00f6ffentlichen Ausgaben abh\u00e4ngig sind: zuk\u00fcnftige Generationen, sozial Schwache, PensionistInnen, Kranke und \u2013 last but not least \u2013 Studierende und Sch\u00fclerInnen.<\/p>\n<p>Sparen bei der Bildung ist extrem kurzsichtig. Wir brauchen viel mehr Bildung f\u00fcr viel mehr Menschen, um einen demokratischen Ausweg aus den tiefen wirtschaftlichen, soziale und \u00f6kologische Krisen durchsetzen zu k\u00f6nnen. Es ist absurd zu behaupten, dass das Geld daf\u00fcr nicht vorhanden w\u00e4re. Selbst im Krisenjahr 2008 haben die 40 b\u00f6rsenotierten ATX-Unternehmen mehr Dividende an ihre Aktion\u00e4re ausgesch\u00fcttet als das gesamte Hochschulbudget ausmacht. Von 2006 bis 2008 wurde das Milit\u00e4rbudget um 740 Millionen erh\u00f6ht \u2013 alleine dieser Zuwachs f\u00fcr R\u00fcstung entspricht einem Drittel des gesamten Budgets f\u00fcr den terti\u00e4ren Bildungssektor im vergangenen Jahr.<\/p>\n<p>Staatliche Sparpakete, Sozial- und Bildungsabbau stellen keinen Ausweg aus der Krise dar, im Gegenteil: Diese Politik hat ma\u00dfgeblich die derzeitigen wirtschaftlichen Verwerfungen verursacht. Wir brauchen einen Weg raus aus der Sackgasse statt noch weiter in sie hinein. Die Bewegung der Studierende gegen den herrschenden Bildungsnotstand kann auch anderen Bev\u00f6lkerungsgruppen Mut machen, aktiv f\u00fcr ihre Interessen und gemeinsam f\u00fcr eine solidarische, \u00f6kologische und demokratische Wende einzutreten: Umverteilung von oben nach unten, Schaffung zukunftsf\u00e4higer Arbeitspl\u00e4tze durch massive Steigerung der \u00f6ffentlichen Ausgaben f\u00fcr Bildung, Gesundheit, soziale Sicherheit, umweltfreundlichen Verkehr und erneuerbare Energien! Alle, die sich in diese Richtung engagieren wollen, laden wir herzlich zur Mitarbeit bei der Werkstatt Frieden &amp; Solidarit\u00e4t ein.<\/p>\n<p>Am Mittwoch, 28. Oktober 2009 finden in vielen Hochschulst\u00e4dten Demonstrationen gegen den Bildungsnotstand statt. Hinkommen, mitmachen! Aktuelle Termine auch unter <a href=\"http:\/\/unibrennt.at\/\"><strong>http:\/\/unibrennt.at\/<\/strong><\/a><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Livestream aus dem besetzten Audi-Max<strong> <a href=\"http:\/\/www.ustream.tv\/channel\/unsereuni#unsereuni\">http:\/\/www.ustream.tv\/channel\/unsereuni#unsereuni<\/a><\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr  eine demokratische, solidarische und \u00f6kologische  Wende siehe auch<strong> <a href=\"http:\/\/www.werkstatt.or.at\/\">www.werkstatt.or.at<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Proteste und Kampfma\u00dfnahmen der Studierenden sind ermutigend. Sie zeigen, dass die Versuche der M\u00e4chtigen, die Krise f\u00fcr das Sch\u00fcren von Angst und Anpassung zu instrumentalisieren, nicht aufgehen m\u00fcssen. 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