DER URBIZID JERUSALEMS

Über das Zerreißen einer Stadt

mit

Dr.in Viktoria Waltz

Mittwoch, 3. März 2010

19.00

Kaiser Josef Platz 9, im Gemeindesaal der evangelischen Pfarrgemeinde bei der Heilandskirche, 8010 Graz

Moderation:  Dr.in Yvonne Schmidt, Uni Graz

Frau Dr. in Waltz,  Wissenschafterin für Raumordungsplanung aus Dortmund (D) und Ramallah (Palästina) veranschaulicht mit Bild- und Kartenmaterial die fortgeschrittene Kolonisierung und Zerstörung der Stadt, den URBIZID. Der URBIZID ist gleichbedeutend mit der andauernden Vertreibung der ursprünglichen palästinensischen Bevölkerung aus Jerusalem.

Für Millionen von Menschen weckt der Name der heiligen Stadt den Wunsch nach Friede, Gerechtigkeit auf Erden und Geschwisterlichkeit unter den Menschen.

Doch Jerusalem, die Stadt der drei großen Religionen Judentum, Christentum und Islam steht mit ihrer Geschichte und Gegenwart als Mahnmal für die große Tragödie des palästinensischen Volkes.

Der Berg Zion in Jerusalem gab dem Zionismus seinen Namen.

Aber historisch hatte Jerusalem im Kolonialisierungsprogramm der Zionistischen Bewegung zunächst nicht wirklich Priorität.  Tel Aviv, die ‚weiße‘, moderne, und erste ‚rein jüdische Stadt‘, entsprach den kolonialen Absichten der EuropäerInnen viel mehr. Das änderte sich seit der Staatsgründung Israels 1948 und erst recht seit der Besetzung Ost Jerusalems im Zuge der West Bank Besatzung 1967. Nach der politischen und militärischen Übernahme der Macht wurden Land und Eigentum der palästinensischen EinwohnerInnen konfisziert, ihre Häuser zerstört und alle Neubauten  illegalisiert. Seit 1967 wurden mehr als 50.000 PalästinenserInnen aus Jerusalem zwangsausgebürgert.

Die weitere Kolonisierung der Stadt durch Groß-Siedlungen, Groß-Farmen, Naturschutzgebiete, Straßen und ein immer dichteres Netz von kleineren Siedlungen, die mittlerweile ganz Jerusalem umringen, sollen laut israelischer Planung ein Bevölkerungsverhältnis von 72% jüdischer BewohnerInnen zu 28% der ursprünglichen palästinensischen Einwohnerschaft bewirken.

Eine jüdische Mehrheit für ganz Jerusalem in israelischen Grenzen wäre damit erreicht.

Und heute werden PalästinenserInnen, die der Altstadt Jerusalems leben, von radikalen jüdischen Siedlern massiv bedroht. Jüngste Ausgrabungsergebnisse sollen belegen, dass jüdische Heiligtümer unter dem Boden der palästinensischen Häuser liegen.

Auch die Stadtverwaltung zwangsenteignet Boden oder aberkennt den BewohnerInnen das Aufenthaltsrecht. Ihre Häuser werden kurzerhand abgerissen.  Siedlungen sind mittlerweile in einem Ring rund um die Altstadt Jerusalems gezogen. Damit kann den muslimischen PalästinenserInnen der Zugang zum Tempelberg mit Al-Aqsa Moschee und Felsendom  jederzeit verwehrt werden.

Dieses Vorgehen der israelischer Regierungen verhindert nicht nur eine Friedenslösung, es reißt ihr – im wahrsten Sinne des Wortes- den Boden unter den Füßen weg.

Wer weiß, kann nicht mehr schweigen.

Links:

­ Blog von Dr. Waltz:

http://zionismus-israel-raumplanung.blogspot.com/

­     ARD-Weltspiegel: „Archäologen als orthodoxe Siedler“ auf: http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/3395338?pageId=487910&moduleId=487904&categoryId=&goto=1&show=

­ AG Friedensforschung: http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Israel/siedlungen8.html

­ Blog des evangelischen Pfarrers G. Kraatz „Bericht aus Jerusalem“:      http://gottfried-kraatz.blogspot.com/

­ Interview mit Pax-Christi Aktivist Jochen Stoll: http://www.badische-zeitung.de/grafenhausen/situation-wie-david-gegen-goliath

­ Die berühmte arabische Sängerin Fairouz „Al-Quds“: http://www.youtube.com/watch?v=Rj5XM-vjvVs&NR=1

Mitveranstalterinnen:

Solidaritätskomitee für Palästina

Pax Christi Graz

Renner Institut Steiermark

Grüne Akademie

Evangelisches Bildungswerk Steiermark

Friedensbüro Graz

ETC Graz

Gesellschaft für Österr. Arabische Beziehungen Steiermark

KPÖ Bildungsverein

Islamische Glaubensgemeinschaft f. Steiermark und Kärnten

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