Protest im Gedenken an Giulio Regeni

Der Verfasser, Corrado Augias, war in der französischen Ehrenlegion. Er hat sein Abzeichen an Frankreich zurückgegeben, aus Protest. Seine Gründe erläutert er in diesem Beitag für La Reppublica am 12.12.2020.:

Im Gedenken an Giulio Regeni lege ich das Abzeichen der Ehrenlegion zurück
Sehr geehrter Herr Direktor, am morgigen Montag, dem 14. Dezember, werde ich zur französischen Botschaft gehen, um die mir seinerzeit verliehenen Insignien der Ehrenlegion zurückzugeben. Eine Geste, die gleichzeitig ernst und ganz symbolisch, ich könnte sagen, sentimental ist. Ich fühle mich dazu verpflichtet, weil ich eine tiefe kulturelle und emotionale Bindung zu Frankreich, dem Herkunftsland meiner Familie, habe.

Meiner Meinung nach hätte Präsident Macron die Ehrenlegion nicht an ein Staatsoberhaupt verleihen dürfen, das sich objektiv zum Komplizen von abscheulichen Verbrechern gemacht hat. Ich sage dies für das Andenken an den unglücklichen Giulio Regeni, aber auch für Frankreich, für die Bedeutung, die diese Anerkennung mehr als zwei Jahrhunderte nach ihrer Einführung immer noch darstellt. Als der erste Konsul Napoleon Bonaparte ihn einführte, wollte er nicht einen Ritterorden wiederbeleben, sondern die Anerkennung eines Verdienstes, sei es militärisch oder sozial, bescheinigen. Diese Unterscheidung ist in Bezug auf den hier diskutierten Fall wichtig. Wo und was sind die Verdienste von Präsident Al-Sisi?

Die Auszeichnungen und Ehrungen von Staaten sind dem wechselnden Lauf der Geschichte unterworfen, es kann vorkommen, dass eine zu einer bestimmten Zeit verliehene Insignie zu einer peinlichen Geste für das spätere Verhalten der ausgezeichneten Person wird. In diesem Fall sind die Dinge aber schon heute klar. Das Verhalten der ägyptischen Behörden, beginnend mit ihrem Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi, war kriminell, es verletzte die Normen der Gerechtigkeit, noch vor denen der Menschlichkeit. Italien steht nun vor einer echten Teufelsalternative. Es besteht die Gefahr, dass eine falsche Entscheidung getroffen wird. Wenn es normale diplomatische Beziehungen zu Ägypten unterhält, wird es den Anschein erwecken, dass es die Erinnerung an einen guten Universitätsforscher verrät, der wegen seiner akademischen Arbeit gefoltert und getötet wurde. Wenn es sie abbricht, wird es in wenigen Tagen durch andere Länder in vielen fruchtbaren Handels- und Industriebeziehungen ersetzt werden. Im einen Fall und im anderen Fall ein Eigenschaden, wenn auch anderer Art.

Die Beziehungen zwischen Staaten (wie jede politische Beziehung) werden von Kalkül bestimmt, sicher nicht von Großzügigkeit oder Freundschaft, nicht einmal von den jahrhundertealten Bindungen, die zwischen Italien und Frankreich bestehen. Aber es gibt eine Grenze, die nicht überschritten werden sollte, es gibt Anlässe, bei denen sich auch Staatsoberhäupter an das halten sollten, was die Amerikaner das Richtige nennen, das Richtige. Ich glaube, dass Präsident Emmanuel Macron in diesem Fall eine ungerechte Sache gemacht hat.

Hier ist der Text des Briefes, der dem Botschafter übergeben wird:

„Sehr geehrter Herr Botschafter, hiermit gebe ich Ihnen in der Anlage die Insignien der Ehrenlegion zurück. Als sie mir gewährt wurden, hat mich die Geste tief bewegt. Es war eine Art Weihe für meine Liebe zu Frankreich, zu seiner Kultur. Ich habe ihr Land immer als große Schwester Italiens und als meine zweite Heimat betrachtet, ich habe dort lange Zeit gelebt und habe vor, dies auch weiterhin zu tun. Im Juni 1940 litt mein Vater mit Tränen unter der Aggression des faschistischen Italiens gegen ein Frankreich, das schon fast erobert war. Ich habe das Abzeichen mit Bedauern wieder angezogen, ich war stolz, das rote Band im Knopfloch meiner Jacke zu zeigen. Aber ich habe keine Lust, diese Ehre mit einem Staatsoberhaupt zu teilen, das sich objektiv zum Komplizen von Verbrechern gemacht hat. Der Mord an Giulio Regeni stellt für uns Italiener eine blutige Wunde und eine Beleidigung dar. Ich hätte von Präsident Macron eine Geste des Verständnisses, wenn nicht gar der Brüderlichkeit erwartet, auch im Namen jenes Europas, das wir – gemeinsam – so hart aufzubauen versuchen. Ich will nicht naiver klingen, als ich bin. Ich weiß genug über die Funktionsweise von Geschäft und Diplomatie, aber ich weiß auch, dass es ein Maß gibt, lassen Sie es mich mit den Worten des lateinischen Dichters Horaz wiederholen: Sunt certi denique fines, quos ultra citraque nequit consistere rectum. Ich glaube, dass in diesem Fall das Maß der Gerechtigkeit überschritten, ja geradezu gesprengt worden ist.
Mit tiefem Bedauern“.

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version), red. HS

NACHWORT:
Die Steirische Friedensplattform lehnt jeden Militarismus, so auch die Aktivitäten der französischen Ehren/Fremdenlegion ab.
Dennoch publizieren wir diesen Protestbrief. Er zeigt, dass auch in solchen Kreisen Protest möglich und wirksam ist.

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